Das Training

Das Kälteempfinden lässt sich sehr gut trainieren, anderfalls würde es wahrscheinlich nur wenige “Winterbader/innen” geben. Eigentlich ist es ganz simpel, man muss nur regelmäßig trainieren, damit die Kälte nicht mehr als Solche empfunden wird. Dafür bieten sich verschiedene Trainingsmethoden an, auf die ich hier gern eingehen möchte. Ich erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Solltet ihr andere Methoden/Ideen haben, dann schickt mir diese gerne.

Platz 1: Regelmäßiges Baden

Ich habe das Glück, dass ich nur einige Hundert Meter von einem Naturbad entfernt wohne, in dem ich ca. fünf Monate im Jahr baden gehen kann. Meistens öffnet dieses Bad im Mai und die Wassertemperaturen sind dann noch etwas “chillig”. Das regelmäßige Schwimmen macht dem Umgang mit der Kälte allerdings recht einfach, denn meistens steigen und sinken die Wassertemperaturen recht langsam, daher kann der Körper sich daran langsam gewöhnen.

Es ist natürlich viel schwieriger von z.B. 19 Grad Wassertemperatur auf 10 Grad runter zu gehen. Diese großen Unterschied empfinde auch ich als sehr unangenehm, daher versuche eine gewisse Regelmäßigkeit aufrecht zu erhalten und mindestens viermal die Woche “abzutauchen”. Auch wenn es nur wenige Meter bis zum Naturbad in der Wakenitz sind, kommt manchmal etwas dazwischen und es muss ein „schneller Ersatz“ her.

Aus diesem Grund habe ich mir eine praktische Alternative geschaffen, die sich in meinem kleinen Garten befindet und nicht viel Zeit und Platz beansprucht.

Eine handelsübliche Regentonne ermöglicht mir das regelmäßige Kaltbaden in meinem Garten. Die Tonne fasst maximal 210 Liter und wird von mir etwas über die Hälfte befüllt, so dass nach dem Einstieg das Wasser bis zu meinen Schultern reicht und etwa 5-7 Zentimeter unterhalb des Randes steht. Bei einer Körrpergröße von 1,77 Meter reicht für mich die Größe der Regentonne vollkommen aus. Es gibt aber auch größere Modelle, die z.B. 310 Liter oder sogar 500 Liter fassen können. Beim Kauf einer solchen Tonne sollte man unbedingt auf die Beschaffenheit des Tonnenbodens achten, denn einige Modelle haben dort scharfkanitige Plastikelemente, die eure Füße verletzen können.

Um die Wasserqualität stabil zu halten, setze ich Aktivsauerstoff ein, das man in Pulverform erwerben kann. Zudem tausche ich das Wasser ca. alle 3-4 Wochen aus. Mit dieser Regentonne ist es für mich ganz einfach, die tägliche Routine aufrechtzuerhalten. Für mich geht es also direkt nach dem Aufstehen morgens zwischen 6 und 7 Uhr in die „Tonne“ und anschließend mehr als wach in den Tag. Der anschließende Kaffee wäre da eigentlich nicht mehr notwendig.

Solltet ihr über einen größeren Geldbeutel verfügen und zudem noch ausreichend Platz im Haus haben, dann könnt ihr den ersten Kältepool erwerben. Die Firma Avant aus Finnland bietet zwei unterschiedliche Modelle an. Das Model Hanki kostet inklusive Kühleinheit knapp 7 000€. Die teurere Variante Kinos kostet dann schon knapp 12 000€.

Mehr Informationen findet ihr hier:

https://www.timeless-spa.de/kaeltepool

 

Platz 2: Kalte Duschen

Diese Methode wird auch vom “Ice Man” Wim Hof für den Einstieg empfohlen. Bis heute dusche ich noch regelmäßig kalt, vor allem in den Sommermonaten, wenn das Wasser in meinem selbstgebauten Kältepool im Garten zu warm ist und auch die Ostsee keine richtige Abkühlung mehr bietet. Währen in den Sommermonaten die Temperatur des Leitungswassers auch gerne mal bei 16 Grad liegen kann, sieht es in den Wintermonaten deutlich kühler aus und man kann sich an 12-14 Grad erfreuen.

Für den Einstieg würde ich empfehlen, mit warmen Wasser zu starten und dann nach ca. 1  Minute die Temperatur des Wassers deutlich zu reduzieren, allerdings noch nicht auf die maximale Kältestufe zu gehen. Nun duscht man seinen Körber für ca. 30-60 Sekunden kalt ab. Am besten man startet dabei langsam mit den Beinen und Armen und schreitet dann langsam zum Oberkörper fort. Wer möchte, kann natürlich auch sein Gesicht und die Haare abduschen. In der Regel ist das allerdings das allerdings die „unangenehmste“ Stelle. Anschließend kann man dann wieder warmes Wasser genießen.

Am nächsten Tag wiederholt man die Prozedur mit dem Unterschied, die maximal mögliche Kälte einzustellen. Beginnend von den Beinen duscht man sich nun wieder ab und beendet nach ca. 30-60 Sekunden das Ganze am Oberkörper oder Kopf.

Am dritten Tag können wir nun noch etwas mutiger werden und vielleicht gleich mit kaltem oder lauwarmen Wasser durchstarten. Zudem können wir natürlich auch versuchen, die 30 Sekunden Duschdauer des Vortrages zu überschreiten. Sozusagen deine private tägliche Challenge.

Der positive „Kälteeffekt“, der sich bei mir in den Wintermonaten durch das viel kältere Wasser einstellt, bleibt im Sommer meistens etwas aus. Es gibt also keine Kälteexplosion und das Gefühl grenzloser Energie. Nichtsdestotrotz fühlt es sich weiterhin gut an und ich bin überzeugt, dass es auch positive Effekte auf meinen Körper hat.

 

Platz 3: Kältemeditation

Diese Trainingsmethode eignet sich perfekt für Menschen, die einen Balkon oder Garten haben. Während der Wintermonate einfach in möglichst wenig Kleidung draußen 15-20 Minuten entspannen. Mir liegt die Meditiation leider nicht so, daher habe ich es nur einige Male gemacht, aber die postiven Effekte auf mein Kälteempfinden waren durchaus vorhanden. Auch wenn sich ein Bad in 8 Grad kaltem Wasser nur schwer mit einer Session in der kalten Luft vergleichen lässt, so kann ich mir vorstellen, dass der eine oder andere Gefallen daran finden wird.

Letztendlich ist es wichtig, dass man an dem Training auch Spaß hat und sich dabei wohlfühlt. Genauso wichtig ist es, dass man auch abklärt, ob man aufgrund körperlicher Einschränkungen oder Vorerkrankungen überhaupt ein solches Training starten sollte. Das kann natürlich nur euer Arzt beantworten, den ihr dann fragen müsst.

Zudem solltet ihr immer auf euren Körper hören, der euch mitteilt, wenn es ihm reicht. Also bitte nicht einfach irgendwelche Zeitziele stecken, wie z.B. heute schaffe ich 5 Minuten in dem kalten Wasser, denn das kann schnell gefährlich werden. In diesem Zusammenhang möchte ich auch ein paar Worte über Wim Hof verlieren, den ich echt bewundere. Ich habe sogar eine Zeit lang mit dem Gedanken gespielt, an seinem “Wim Hof Instructor Training” teilzunehmen. Allerdings bin ich für mich zu der Erkenntnis gekommen, dass ich es für mich beim Winterbaden um andere Inhalte und Gefühle geht, die sich mit Zeitintervallen in eiskaltem Wasser verbinden lassen. Für mich geht es um meinen Körper und mein Wohlbefinden und nicht um Nichts anderes!